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Post published on 10/11/2020

120 Jahre GASTI – vom Abfüllen von Schuhcreme zu einem der führenden Verpackungsmaschinenbauer für die Molkerei-Industrie

Das Schwäbisch Haller Unternehmen „GASTI“ feiert im November 2020 sein 120-jähriges Jubiläum. Ein Rückblick auf mehr als ein Jahrhundert voller Innovationen in der Verpackungsmaschinen-Branche.

Angefangen hat bei GASTI alles im Jahr 1900, als es der Leimfabrikant Adolf Diemer leid war, Lederfett (Schuhcreme) manuell in Dosen zu befüllen. Das war eine schmierige Sache, vor allem dann, wenn die Dosen zu voll geworden waren und sich das klebrige Fett auf Tischen und Böden ausbreitete. Er suchte deshalb nach einer technischen Lösung. Da erinnerte er sich an eine alte Lichtergießmaschine auf dem Speicher, die zur Herstellung von Stearinkerzen diente. Als vage Idee schwebte Adolf Diemer vor, mit ihrer Hilfe das Lederfett in Dosen zu füllen. Seinen Mechaniker Karl Ganzhorn beauftragte er, diese umzubauen. Dieser tüftelte und baute in der kleinen Werkstatt, probierte aus und führte das Ergebnis voller Stolz vor: ein Gießwagen – die erste Abfüllmaschine.

Ein befreundeter Fabrikant der Mainzer Firma Werner & Metz begutachtete die Füllmaschinen „Typ Ganzhorn“ und bestellte sofort zehn Stück – für die Fertigung von „Erdal“-Schuhcreme, die zu diesem Zeitpunkt schon Weltruf genießt.

Diesen ersten Auftrag über 10 Gießwagen musste Ganzhorn innerhalb kurzer Zeit allein abarbeiten. Ihm gefiel der Großauftrag ganz und gar nicht. Schließlich war er bei Diemer angestellt. Doch der Leimfabrikant redete ihm gut zu, eine eigene Firma zu gründen. Er stellte ihm sogar eine kleine Werkstatt am Klingenweg zur Verfügung.

Karl Ganzhorn machte sich noch im gleichen Jahr unter dem Namen Ganzhorn & Kling selbstständig. Ganzhorn arbeitete wie ein Besessener. Seine Ideenvielfalt war unglaublich. Er konstruierte und baute Dutzende von Apparaten und kleinen Maschinen. Um die Arbeit bewältigen zu können, brauchte er bald Mitarbeiter. Die mussten natürlich bezahlt werden und er benötigte Kapital. Deshalb tat er sich 1905 mit Friedrich Kling zusammen. Kling trat als sogenannter „Stiller Teilhaber“ in die Firma ein. Ganzhorn & Kling war der neue Firmenname.

Neben den Gieß- und Abfüllwagen bauten sie bald auch Fülltrichter für Flaschen und andere nützliche Geräte. Die Aufträge häuften sich.

Dann kam der erste Weltkrieg. Die Firma bekam besondere Aufgaben: sie stellte Abfüllmaschinen für die Heeresverpflegung her. Für die Heimat verblieben nur die Füller für Milch. Mitten im ersten Weltkrieg trennten sich Ganzhorn und Kling.

Mit dem Einstieg des Uhrmachers Wilhelm Stirn entwickelte sich das Unternehmen Ganzhorn & Stirn weiter. Vom 16. Juni 1916 an war er alleiniger Inhaber (bei der Übernahme bestand der Betrieb aus 18 Arbeitern und 5 Angestellten). Karl Ganzhorn schied aus der Firma aus.

Ganzhorn & Stirn wurde der neue Firmenname. Daraus sprach die Hochachtung für den Firmengründer und durch den ähnlichen Klang der Namen Kling und Stirn auch die Hoffnung, vom damals schon guten Namen profitieren zu können.

Stirn war ein Geschäftsmann mit Weitblick und das Auftragsvolumen wuchs stetig. Die Hinterhof-Werkstatt am Klingenweg war längst zu klein geworden. Stirn suchte und fand ein neues Domizil. Er zog 1919 mit seinen Leuten in die ehemalige Zementfabrik nach Steinbach um.

Im Jahre 1921 hatte die Firma bereits über 100 Mitarbeiter. Es wurden immer mehr und effektivere Maschinen und Apparate gebaut. Neben Schuhcreme kam Kölnisch Wasser hinzu, Honig und Mayonaise, Margarine und Schmelzkäse, Marmelade und Hustensaft, Tomatenmark und Liköre sollten verpackt werden. Als Behälter waren Flaschen, Dosen, Kannen, Kanister und Tuben gewünscht. Jeder Kunde bekam seine ganz spezielle Apparatur und Wilhelm Stirn war mit seinen immer neuen Ideen sehr erfolgreich. Ein echter Tüftler und Erfinder. „Geht nicht“ gab’s nicht bei Ganzhorn & Stirn. Nach kurzer Zeit entstand auch der kürzere Firmenname ‚GASTI‘   hergeleitet von: GA für Ganzhorn und STI für Stirn.

1947 starb Wilhelm Stirn und Frau Margarete Sehl-Stirn legte die Geschäftsführung in die Hände ihres Mannes, Hans Sehl, der die Geschicke der Firme erfolgreich leitete. Sie war inzwischen auf 300 Mitarbeiter angewachsen.

In den 50er-Jahren entstanden die ersten Füllmaschinen für Tuben (Gnom) aus dem Hause GASTI, die sogar in Serie gefertigt wurden.

Schon früh begann Dieter Sehl (Sohn von Hans Sehl) mit der Planung des Betriebes in Hessental, da am alten Standort in Steinbach keine fortschrittliche Betriebsorganisation mehr möglich war.

 

 Aseptik als Wettbewerbsvorteil

In den 70er-Jahren entwickelte GASTI dann als einer der ersten Anbieter am Markt Spezialmaschinen für keimfreie Becherverpackungen. Eine wegweisende wie erfolgreiche Entwicklung, da es bis dato nicht möglich war, lange Haltbarkeiten von Molkerei-Produkten ohne Kühlung zu gewährleisten. Im Jahr 1977 wurde die erste aseptische Füll- und Verschließmaschine (DOGASEPTIC 42) mit dichtungslosem Doseur von ausgeliefert. In der Folge nahm GASTI Maschinen in aseptischer Ausführung ins feste Produktionsprogramm auf.

1978 wurde die 500. GASTI Verpackungsmaschine gebaut und an den Kunden ausgeliefert.

 

Internationales Wachstum

Die Erfolgsgeschichte setzte sich in den Folgejahren kontinuierlich fort. Im Jahr 1981 verkaufte der Eigentümer Dieter Sehl die Firma mit jetzt 450 Beschäftigten an die Rheinmetall AG. GASTI-Maschinen fanden sich inzwischen in vielen Ländern und produzierten unterschiedlichste Produkte. Mit der Teilnahme an der Messe ‚Middle East Electricity & Electronics‘ 1983 in Jeddah und dem Verkauf der DOGATHERM 12DR nach Arabien begann eine Erfolgsgeschichte. Bei diesem Kunden in Saudi-Arabien sind mittlerweile 17 Maschinen der Baureihe CONTITHERM installiert, auf denen hauptsächlich Joghurt abgefüllt wird.

Im Jahr 2000 übernahm der damalige IWKA-Konzern das Unternehmen von der Rheinmetall AG und 2007 wurde die Verpackungsmaschinen-sparte der IWKA AG verkauft und trat als OYSTAR Group im Portfolio der Odewald & Cie. am Markt auf. Ende 2014 wurde die OYSTAR Group an den italienischen Verpackungsmaschinenhersteller IMA S.p.A. verkauft und die Division IMA DAIRY & FOOD – zu der GASTI gehört – geschaffen. Ende 2018 übernahm Herr Thomas Becker 60% der Anteile an der IMA DAIRY & FOOD-Gruppe; 40% sind weiterhin im Besitz der IMA S.p.A.  

Heute sind GASTI-Maschinen rund um den Globus im Einsatz. Dabei ist das in Schwäbisch Halle-Hessental ansässige Unternehmen spezialisiert auf kontinuierliche Füll- und Verschließmaschinen für flüssige und pastöse Produkte in vorgefertigte Becher aus Kunststoff oder Karton-Kunststoff-Verbunden. 

So wurden z.B. in diesem Jahr in China eine CONTITHERM 123 mit einer Ausbringung von 28.000 Bechern/h für die Abfüllung von Soja Joghurt und bei einem anderen chinesischen Kunden eine DOGASEPTIC 82 mit einer Ausbringung von 19.200 Bechern/h für die aseptische Abfüllung von Joghurt installiert. Noch im Dezember wird eine weitere DOGASEPTIC für die Abfüllung von Caffè latte nach Asien verschifft.

Innerhalb der letzten 120 Jahre war die Verpackungsmaschinen-Branche ständigen Veränderungen unterworfen. GASTI hat die sich wandelnden Markt-Erfordernisse aber stets frühzeitig erkannt und immer wieder Trends gesetzt. Somit werden die Kunden des Unternehmens seit jeher mit innovativen Maschinen beliefert, denen immer eins gemein ist: höchste Qualität

Die erste Füllmaschine für Schuhcreme
Tubenfüller von GASTI
1940: Lieferung einer Milchabfüllanlage
Füll- & Verschließmaschine DG 25/6 für vorgefertigte Becher
Auslieferung der 500. Maschine von GASTI